2009 Berlin - Kaliningrad - Baltijsk                Tourbilder

                                                                                                       Tourkarte

 

Text und Fotos: Bernd Löwner

In diesem Jahr stand die vorletzte Etappe des R1 von Boulogne sur Mer - St. Petersbburg auf dem Programm der „RotenRadler“: Berlin – Kaliningrad. Bis auf den Abschnitt Riga - Tallinn sind wir seit 1997 in Etappen die gesamte Strecke in Anlehnung an den R1 abgeradelt.

Bei der Vorbereitung, Visabeschaffung und Buchung eines Hotels in Kaliningrad, war wieder das Hamburger Reisebüro www.baltictravel.de behilflich. Das von BalticTravel ausgesuchte Hotel Moskau liegt zentral und kann weiter empfohlen werden (www.hotel.kalingrad.ru). 

Von Kiel ging es mit dem Zug nach Berlin, Übernachtung in der Jugendherberge, und am nächsten Tag dann richtig aufs Rad.

Die Radtour durch Berlin, Brandenburg und Polen war problemlos. Übernachtet haben wir in Hotels und Jugendherbergen. In Polen konnten wir erstmals auf längeren Abschnitten nagelneue Radwege nutzen. Mehrfach sind wir auf die Ausschilderung des R1 gestoßen. Unsere Radtour orientierte sich zwischen dem europäischen Fernradweg R1 und der alten Reichsstraße R1.

Der Abstecher nach Torun (Thorn) hat sich gelohnt, eine sehr schöne Altstadt. In Torun wurde 1473 Nicolaus Copernicus geboren. Mit seiner Theorie von den Umläufen der Himmelskörper um die Sonne wurde er zu einem der bedeutendsten Astronomen Europas. Copernicus starb 1543 in Fromburg (Frauenburg), einer kleinen Stadt am Frischen Haff (ponisch Zalew Wislany), die wir auf unserer Radtour ebenfalls passierten.

Übernachtet haben wir in Chelmo (Kulm). Der langjährige Vorsitzende der SPD, Kurt Schuhmacher, und der als Heideschriftsteller bekannte Hermann Löns wurden hier geboren.

Für die Malbork (Marienburg) hätten wir gerne mehr Zeit gehabt.

Die Einreise nach Russland am Grenzübergang Braniewo(Pl)/ Mamonovo(Ru) ging in wenigen Minuten vonstatten. Die Fahrt durch den Kaliningrader Oblast musste dann leider bei strömenden Regen erfolgen. Erfreulicherweise schien dann aber in Kaliningrad wieder die Sonne.

Kaliningrad hat sich nach unserem ersten Besuch 1997 merkbar entwickelt. Es herrscht eine rege Bautätigkeit. Die Architekten probieren die unterschiedlichsten Baustile aus. Der Autoverkehr hat ganz erheblich zugenommen. Eine fahrradfreundliche Stadt ist Kaliningrad immer noch nicht. Man muss umsichtig und beherzt in die Pedale treten, um auf dem Rad durch die Stadt zu kommen.   

In Kaliningrad feierten wir Wiedersehen mit einer alten Bekannten, die wir auf unserer Radtour nach Sowjetsk (Tilsit) kennen gelernt haben.

Die Rückreise erfolgte mit der Fähre von Baltijsk nach Sassnitz auf Rügen. Diese Linie wird von der DFDS Lisco GmbH (passage@dfdslisco.com) betrieben. Auf der letzten Tagesetappe von Kaliningrad nach Baltijsk kamen uns zwei deutsche Radler entgegen, die von Kaliningrad nach Westen radeln wollten. 

Bei der Einfahrt mit den Fahrrädern in die Stadt Baltijsk gab es noch ein kleines Problem. Die Stadt ist der Flottenstützpunkt der baltischen Flotte der russischen Marine und für Ausländer immer noch nur mit Genehmigung (Propusk) zu betreten. Wir verfügten aber nur über eine auf dem heimischen Drucker ausgedruckte Bestätigung der Fährpassage. Auch längeres verhandeln mit den vier Soldatinnen, die am Kontrollposten an der Stadtgrenze Wache standen, half nichts. Erst ein Telefonat mit der Reederei in Sassnitz konnte die Situation klären. Ein russisch sprechender Mitarbeiter überzeugte die Wachhabenden. Wir durften passieren. Handys sind doch manchmal eine segensreiche Erfindung.

Am Fährterminal wurden wir dann sogleich von einem freundlichen Mitarbeiter der Reederei in Empfang genommen, der uns sicher durch das russische Ausreiseprozedere geleitete.

An Bord der 190 m langen litauischen Fähre MS Vilnius stellten wir fest, dass wir vier Radler die einzigen Passagiere waren. Auf dem riesigen Ladedeck verloren sich neben unseren Fahrrädern nur ein russischer Eisenbahnwagon und ein Mobilkran.

Bei reichhaltigem und gutem Essen hatten wir eine ruhige, angenehme Überfahrt. Von Sassnitz ging es mit der Bahn zurück nach Hause.

Zum Schluss noch ein wenig Statistik:

Tagesetappe

Entfernung (km)

Berlin - Kostrzyn (Küstrin)

108

Kostrzyn - Drezdenko (Driesen)

 98

Drezdenko - Chodziez (Kolmar)

 98

Chodziez – Solec Kujawski (Schulitz)

112

Solec Kujawski - Chelmo (Kulm)

 88

Chelmo - Malbork (Marienburg)

129

Malbork - Braniewo (Braunsberg)

 89

Braniewo - Kaliningrad (Königsberg)

 73

Kaliningrad - Baltijsk (Pillau)

 56

Summe

851

Die 851 km verstehen sich einschließlich aller Stadtrundfahrten.

Im nächsten Jahr wollen wir von Riga nach Tallin radeln. Dann haben wir den R1

(www.euroroute-r1.de) komplett, und wir können, wie es in der Beschreibung des Fernradweges so nett heißt, unseren Kindern und Enkeln von etwas Außergewöhnlichem berichten.  

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