Tallinn – St.Petersburg – Helsinki Tourbilder
Text: Bernd Löwner
Fotos: A. Bornhalm, B. Löwner, H. Sonderfeld
Nach mehreren Radtouren durch Polen, Litauen, Lettland und dem Oblast Kaliningrad zog es uns diesmal noch weiter nach Osten: Wir wollten nach St. Petersburg mit dem Fahrrad. Die Umrundung des Finnischen Meerbusens von Tallinn über St. Petersburg und dann weiter nach Helsinki stand am Ende der Planungen:
Von Kiel nach Hamburg mit dem Zug, weiter mit dem Flugzeug nach Tallinn. Nach der Umrundung des Finnischen Meerbusens mit der Fähre von Helsinki wieder nach Tallinn und zurück mit Flieger und Zug nach Hause.
Die Tour haben wir zu viert gemacht.
Auf eine Schilderung der Sehenswürdigkeiten verzichte ich. Das kann man Reiseführern besser entnehmen. Stattdessen die Wiedergabe von ein paar praktischen Erfahrungen für die, die ähnliches Planen. Nur soviel: alle drei großen Städte, Tallinn, St. Petersburg und Helsinki, lohnen eine Reise, auch jede für sich, mit mehr Zeit als uns zur Verfügung stand. Aber auch die Strecken zwischendurch boten interessantes und Überraschendes: In Estland z.B. Palmse, ein wunderschöner alter Gutshof mit stattlichem Herrenhaus (heute Museum), Orangerie und Park. Sillamäe, eine Kleinstadt ca. 50 km vor Narva, die bis 1990 aus Geheimhaltungsgründen auf keiner Karte existierte. In der Innenstadt kann noch der stalinistische Zuckerbäckerstil in Reinkultur erlebt werden (nach meinem Geschmack durchaus ansehlich). Dann Narva und Ivangorod, die Grenzstädte zwischen Estland und Russland am gleichnamigen Fluss. Zwei beeindruckende Festungsbauwerke, auf der estnischen Seite die Hermanfeste und auf der russischen Seite Ivangorod stehen sich unmittelbar gegenüber. Deutlicher kann eine Grenze nicht markiert werden.
Bei Estonian Air (www.estonian-air.ee) wurden die Flüge gebucht. Die Mitnahme von 4 Fahrrädern war kein Problem. Lediglich der Lenker musste quergestellt und die Pedalen nach innen gedreht werden. Auf eine Verpackung der Räder haben wir auf eigenes Risiko verzichtet. Alle Räder wurden unversehrt befördert.
Für Russland ist ein Visum erforderlich. Für eine problemlose Beschaffung des Visums und Buchung eines Hotels in St. Petersburg sorgte das Hamburger Reisebüro Baltic Travel (www.baltictravel.de) .
3 Karten waren für die Reise völlig ausreichend: Das Baltikum, Maßstab 1:600 000 von Reise Know How, eine russische Karte vom Leningradskaja Oblast im Maßstab 1:500 000 und von St. Petersburg im Maßstab 1:150 000 (erworben in der Geobuchhandlung Kiel, www.geobuchhandlung.de und ein Stadtplan von St. Petersburg (unser war noch von Leningrad, aber auch das war ausreichend).
Die erste Übernachtung in Loksa wurde per Internet gebucht, alle weiteren, bis auf die beiden in St. Petersburg, erst vor Ort. In Estland mussten wir am zweiten Tag weiter fahren als geplant. Fanden dann aber mit Unterstützung einer sehr hilfsbereiten jungen Dame ein schönes Hotel direkt an der Küste in Saka. In Russland haben wir außer in St. Peterbsburg in den Städten Sosnovyj Bor, Zelenogorsk und Vyborg übernachtet. Hotels und Preise waren o.k. Ein kleines Problem hatten wir in Finnland. In Hamina mussten wir in einer kleinen Campinghütte übernachten. Aber auch das geht mal. Die Jugendherberge im Olympiastadion von 1992 in Helsinki, in der wir in der finnischen Hauptstadt übernachteten, ist eine empfehlenswerte Adresse.
An den Grenzen zwischen Estland und Russland bei der Einreise und zwischen Russland und Finnland bei der Ausreise gab es keine Probleme. In Estland mussten wir uns in den Fußgängerstrom mit einreihen. Bei der Ausreise aus Russland konnten wir problemlos an einer kilometerlangen Autoschlange vorbeiradeln und waren schneller als gedacht in Finnland (dadurch haben wir es versäumt für die letzten Rubel noch ein paar Flaschen Wodka in Russland zu kaufen).
Die Straßenverhältnisse waren ganz Überwiegend problemlos. Nur in Russland gab es mal über eine längere Strecke eine sehr löcherige Asphaltpiste. Aber auch dort waren die Bauarbeiter schon im Gange die Schäden zu beheben. Längere Radwege gab es nur in Finnland. Aber immerhin, in Zelenogorsk sind auch in Russland einige Kilometer Radweg vorhanden. Die Ein- und Ausfahrt auf meist vierspurigen stark befahrenen Straßen in St. Petersburg ist auch für geübte Radfahrer grenzwertig. Fahrradfahrer gehören in der russischen Millionenstadt zu den eher unbekannten Wesen. Es gibt sie aber vereinzelt, und es gibt auch Fahrradläden, was uns sehr zustatten kam. Bei einem Fahrrad machte die Kette schlapp. Glücklicherweise in der Nähe eines Fahrradgeschäfts. In wenigen Minuten hatte der flinke Monteur das Problem beseitigt.
Die Tagesetappen lagen zwischen 68 und 128 km. Da keine Berge zu überwinden waren und der Gegenwind sich sehr in Grenzen hielt, auch für Freizeitradler gut zu schaffen.
Hier die Tagesetappen einschließlich kleiner Stadtrundfahrten:
|
Datum |
Strecke |
km |
Summe km |
|
02.06.06 |
Anreise Kiel – Hamburg – Tallinn (Flughafen) |
14 |
|
|
02.06.06 |
Tallinn (Flughafen) - Loksa |
91 |
105 |
|
03.06.06 |
Loksa - Saka |
128 |
233 |
|
04.06.06 |
Saka - Narva |
76 |
309 |
|
05.06.06 |
Narva – Sosnovyj Bor |
108 |
417 |
|
06.06.06 |
Sosnovyj Bor – St. Petersburg |
105 |
522 |
|
07.06.06 |
St. Petersburg |
0 |
522 |
|
08.06.06 |
St. Petersburg - Zelenogorsk |
68 |
590 |
|
09.06.06 |
Zelenogorsk - Vyborg |
88 |
678 |
|
10.06.06 |
Vyborg - Hamina |
115 |
793 |
|
11.06.06 |
Hamina - Lovisa |
73 |
866 |
|
12.06.06 |
Lovisa - Helsinki |
104 |
970 |
|
13.06.06 |
Helsinki – Tallinn (Flughafen) |
30 |
1000 |
|
14.06.06 |
Tallinn (Flughafen) - Kiel |
14 |
1014 |
Die Radtour hat uns allen gefallen. Es gab keine unangenehmen Überraschungen. Keiner von uns wurde bedroht oder bestohlen. Die Menschen waren freundlich und Hilfsbereit. Na ja, es gab auch mal eine kleine Ausnahme, da wurden wir in einem russischen Geschäft als störend empfunden. Das Handytelefonat war wichtiger als die Kundenwünsche. Das wurde aber an anderer Stelle durch gutgelaunte und Hilfsbereite Verkäuferinnen wieder gutgemacht. Alles hat geklappt.
Zum nachmachen empfohlen, für alle, die das ungewöhnliche schätzen.