Mit dem Rad durch den südöstlichen Teil Polens
mit einem Abstecher in die Ukraine                                       
Tourbilder

                                                                                                             Tourkarte

Text: Bernd Löwner, Fotos: Alfred Bornhalm

Im Mai 2005 war es wieder soweit. Zeit für die Radtour der „Roten Radler“.Zu fünft zog uns diesmal wieder nach Polen, in die Woiwodschaften Masowien und Lublin. Da die Ukraine gerade wegen eines Schlager-Wettbewerbs vorübergehend die Visumpflicht abgeschafft hatte, sollte die Radtour mit einem Abstecher zum östlichen Nachbarn Polens verbunden werden. Die An- und Abreise erfolgte von Kiel mit der Bahn nach Warschau. Das ist jeweils mit einem Reisetag zu machen. Von Warschau ging es dann weiter mit dem Rad nach:

Aus Warschau findet man gut mit dem Rad heraus. Die Straßen sind allesamt o.k. Radwege gibt es (natürlich) nicht, der Autoverkehr hält sich aber in Grenzen.

Das Wetter war so lala. Von Lublin nach Zamos’c’ mussten wir im  Regen radeln. Auch das geht mal. Überall bekamen wir problemlos Unterkünfte. Essen und Trinken war gut und deftig. Das Bier schmeckt (in Warschau 2 € für einen halben Liter, auf dem Lande 1 €).

Warschau allein wäre natürlich eine Reise wert. Wir haben einen halben Tag mit den Rädern eine Stadtrundfahrt gemacht und waren beeindruckt vom Wiederaufbau der Stadt nach dem 2. Weltkrieg.

 Kasimierz Dolny ist eine hübsche Kleinstadt an der Weichsel. Sehenswert.

Lublin, die Hauptstadt der Woiwodschaft Lublin, hat etwa 350.000 Einwohner. Die Stadt wurde im 12. Jahrhundert gegründet. In der Innenstadt befinden sich viele historische Bauten. Es macht Spaß durch die Gassen der Altstadt zu laufen. Ein Besuch lohnt.

Bis zum zweiten Weltkrieg war Lublin eines der Zentren jüdischen Lebens in Polen. Dieses Leben ist dann im 2. Weltkrieg von den Deutschen brutal vernichtet worden. Im Stadtteil Majdanek befand sich ein Konzentrationslager. Heute eine Gedenkstätte. Der Besuch ein muss!

 „Perle der Renaissance“, „Padua des Nordens“ oder  „Arkadenstadt“ sind die treffendsten Bezeichnungen für Zamos’c’. 1578 wurde die Stadt gegründet und nach den Vorstellungen des venezianischen Baumeisters Bernado Morando im italienischen Renaissance-Stil planmäßig aufgebaut. Der Stadtkern ist bis heute weitestgehend erhalten. Seit 1992 gehört die Altstadt zum Weltkulturerbe der UNESCO. Durchaus berechtigt.

1870 wurde Rosa Luxemburg in Zamos’c’ geboren. Ihr Geburtshaus am Marktplatz steht heute noch.

Chelm liegt unweit der Grenze zur Ukraine und hat etwa 68.000 Einwohner. Die Kreisstadt hat eine ganz ansehnliche Innenstadt mit buntem Leben. Als wir dort waren fand gerade eine große Jugendveranstaltung mit vielen Teilnehmern statt.

Von Chelm ging es dann in die Ukraine nach Luboml, der ersten ukrainischen Kleinstadt nach der Grenze. Der Grenzübertritt war ein kleines Erlebnis. Es dauerte sowohl auf polnischer als auch auf ukrainischer Seite etwas, die Grenzer davon zu überzeugen, dass man auch mit dem Fahrrad von einem Land ins andere fahren kann. Nach gutem Zureden durften wir dann über den Bug rollen.

Luboml ist heute eine bescheidene Plattenbausiedlung mit einem erheblichen Sanierungsstau. Etwa 10.000 Menschen sollen dort wohnen. An einem Denkmal waren noch spärliche Reste der orangenen Revolution zu erkennen.

Luboml hatte bis zum zweiten Weltkrieg eine überwiegend jüdische Bevölkerung. Das Schicksal dieser Menschen ist in dem diesem Bericht beigefügten Dokument nachzulesen.

Von Luboml ging es zurück über Chelm nach Lublin, und von dort mit dem Zug über Warschau nach Kiel. Auf der polnischen Seite wurden wir durch ein Schild begrüßt: „Willkommen in der europäischen Union“, wir fühlten uns fast wieder wie zu Hause.

Es war eine interessante, nachdenklich machende Radtour. Wir haben Glück in einer Zeit zu leben, in der die Menschen in Europa friedlich miteinander umgehen (jedenfalls weitgehend) und die Grenzen offen sind.

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