Mit dem Rad durch Norwegen und Schweden Tourbilder
Text und Fotos: Bernd & Jan Löwner
Ausgangspunkt unserer Radreisen ist immer Kiel. Hier wohnen die „Roten Radler“. Von der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt fahren täglich Fähren nach Göteborg in Schweden und in die norwegische Hauptstadt Oslo.
Es liegt also nahe, auch mal eine Radtour durch diese beiden skandinavischen Länder zu machen. Im Juli 2005 war es soweit. Von Kiel starteten wir mit der Color Line nach Oslo. Allein das auslaufen der komfortablen Fähre aus der Kieler Förde und das einlaufen am nächsten Tag in den Oslofjord - bei einem üppigen Frühstück - lohnt die Reise.
Von Oslo ging es dann in vier Etappen nach Nornäs, einem winzigen Ort in der schwedischen Provinz Dalarna. Oslo ist eine gemütliche Großstadt. Es bereitet keine größeren Probleme die Stadt mit dem Fahrrad zu durchqueren.
Das erste Tagesziel war Kongsvinger, etwa 90 km von Oslo entfernt. Von Lillestrom an ging es dann immer an Norwegens längstem Fluss, der Glomma, entlang nach Kongsvinger. Wir radelten durch eine landwirtschaftlich geprägte Landschaft mit vielen gepflegten kleinen Bauernhöfen. Kongsvinger ist eine Kleinstadt mit ca. 17.000 Einwohnern. Wahrzeichen der Stadt ist die Festung Kongsvinger. Sie diente der Verteidigung gegen Schweden. Heute kann sie besichtigt werden. Das norwegische Frauenmuseum in Kongsvinger wurde 1996 von Königin Sonja eröffnet.
Die zweite Etappe führte uns über 105 km wieder entlang der Glomma nach Elverum. Erst 1996 erhielt Elverum die Stadtrechte. Heute hat der Ort ca. 18.000 Einwohner. Elverum war während der deutschen Besetzung für kurze Zeit Norwegens Hauptstadt, als die Königsfamilie nach Schweden flüchten musste und hier Halt machte. Das historische Stadtbild wurde bei Luftangriffen im April 1940 zerstört.
Am dritten Tag ging es weiter nach Trysil. Dieser bekannte norwegische Wintersportort liegt 60 km nordöstlich von Elverum. Das Landschaftsbild ändert sich sichtbar. Nördlich von Elverum beginnt, wie es in einem Prospekt der Elverumer Touristinformation heißt, „der Nadelwaldgürtel der Taiga“. Die Bauernhöfe werden weniger. Die Landschaft wird geprägt durch schier endlose Nadelholzwälder. Man kann sich ziemlich einsam vorkommen. Die norwegische Provinz Hetmark, in der Elverum liegt, hat nur 7 Einwohner pro Quadratkilometer (In Deutschland sind es 231).
Im Sommer kann man zwar auch in Trysil nicht Skilaufen, aber wir sind als kleine Extratour auf das mächtige, über 1.000 m hohe Trysilfjellet geradelt (Fjell, skandinavischer Landschaftstyp. Gebiet oberhalb der Waldgrenze, meist hügelig, in den Senken bilden sich oft Seen). Die Anstrengung hat sich gelohnt. Von oben genießt man eine tolle Aussicht.
Die vierte und letzte, etwa 70 km lange Etappe, führte uns dann nach Schweden. Ziel war das Haus der Schwiegereltern meines Sohnes in Nornäs. Es ging noch mal kräftig rauf und runter. Aber rechtzeitig zur Kaffeezeit waren wir am Ziel. Margret und Jürgen Strunk leben seit Jahren mehrere Monate im Jahr in ihrem schönen, großen Haus im Wald, nur wenige Meter von einem See entfernt. Zwei Ferienwohnungen werden auch an Gäste vermietet. Wer mehr wissen möchte findet nähere Informationen unter www.schwedenfreunde.de. Man kann z.B. Kanu fahren, angeln und Beeren pflücken. Lohnenswert ist ein Ausflug in den Nationalpark Fulufjäll zum Njupeskär, Schwedens höchstem Wasserfall, mit einer Fallhöhe von 93 m. Besonders empfehlenswert ist aber der Elchbraten von Margret, den sie gelegentlich für Gäste zubereitet.
Die Radtour hat sich insgesamt gelohnt. Wir haben landschaftlich schöne, wenn auch keine spektakulären, Eindrücke mitgenommen und norwegische Kleinstädte kennen gelernt. Für Anfänger und Kinder ist die Tour nicht geeignet. Man sollte schon ein wenig trainiert sein. Radwege gibt es kaum. Der Autoverkehr ist aber auszuhalten.
Norwegen ist teuer. Das muss leider auch noch gesagt werden. Schweden hat etwa unser Preisniveau.