Radtour von Klaipeda nach Riga Tourbilder
Tourkarte
Vom 27. Mai bis 6. Juni 2004
Unsere erste Frage war, wie kommen wir mit Rädern von Kiel nach Riga oder nach Klaipeda? Das Flugzeug als Transportmittel kann man vergessen. Zwar fliegt Air Baltic für einen akzeptablen Preis von Hamburg nach Riga. Ob Räder mitgenommen werden, entscheidet sich aber immer erst kurz vor Abflug. Darauf kann man sich wohl nicht einlassen. Die Lufthansa fliegt auch, das Ticket kostet aber über 500 Euro. Blieb die Fähre, die zwar langsamer, aber billiger und gemütlich ist.
Wir (6 Männer zwischen Anfang 50 bis Anfang 60: Alfred Bornhalm, Bernd Löwner, Eckehard Raupach, Manfred Rotzoll, Erich Schirmer, Heiner Sonderfeld) fuhren also am Donnerstag, 27.5.2004, 18 Uhr, mit der Fähre (MS Lisco Gloria) direkt vor der Haustür in Kiel ab. Kosten pro Person in der Zweibettkabine: 180 Euro plus Fahrrad für 6 Euro (Lisco Baltic Service, Ostuferhafen 15, 24149 Kiel, Tel. 0431/209760). Nach einer schönen, ruhigen Fahrt bei Sonnenschein auf einem komfortablen Schiff Ankunft in Klaipeda am Samstagnachmittag um 15 Uhr. Die Anlegestelle der Fähren aus Kiel ist etwa 10 km außerhalb der Stadt.
Wir fuhren durch die Stadt zunächst auf Nebenstraßen, dann auf der Hauptstraße nach Palanga (45 km), wo wir die erste Nacht verbrachten. Das Hotel war in Ordnung, ich hatte es über das Internet gebucht (Hotel Tauras, www.feliksas.lt, Einzelzimmer 30 Euro).
Am nächsten Tag ging´s dann richtig los. Zunächst etwa 20 km (flach, wie auch sonst ganz überwiegend) bis zur litauisch-lettischen Grenze, dann weiter an einem stillgelegten Militärgelände vorbei bis Nica auf der einzigen Straße und nach insgesamt etwa 80 km nach Liepaja hinein. Hinter Nica ist die Straße zwar etwas stärker von Autos befahren, aber insgesamt war die Fahrt angenehm. In Liepaja haben wir (ohne Vorbuchung wie in allen anderen Orten unterwegs auch) mitten in der Stadt problemlos 6 Einzelzimmer im renovierten Hotel Liva gefunden. Wenige Schritte vom Hotel entfernt liegt die Dreifaltigkeitskirche, die der Küster (auf Nachfrage!) mit Turmbesteigung (!) gerne zeigt. Was sonst in Liepaja (und auch auf der ganzen Reise) zu sehen ist, will ich hier nicht beschreiben, dazu gibt es inzwischen hervorragende Reiseführer!
Am Sonntag fuhren wir von Liepaja nach Aizpute (80 km), zunächst am Meer entlang nach Norden, nach ca 35 km nach Nordosten über Saraiki und Upsede (bis dahin gute Straße) und dann nach einer sehr schlechten Straße (ca 10 km) über die ab Cirava wieder gute Straße. Kartentipp: Tourism Maps of Latvia in 6 Teilen im Maßstab 1 : 200 000., etwas besseres gibt es z.Zt. nicht!
In Aizpute gab es entgegen der Beschreibung in unserem Radreiseführer „Velo Via Baltica – Baltikum per Rad“ (ISBN 3-930271-71-0) kein Hotel. Wir fragten im einzigen Restaurant des Orts in Englisch und mit Händen und Füßen nach einer Unterkunftsmöglichkeit. Nach mehreren Telefonaten, einem ordentlichen Essen und einem kleinen Spaziergang kamen nach zwei Stunden drei Frauen ins Restaurant und boten uns verschiedene Unterkünfte an drei verschiedenen Stellen im Ort an. Wir verteilten uns erst mal und trafen uns dann zum Stadtrundgang mit Maja wieder. Maja Atvara wohnt bei ihren Eltern, kann Deutsch und war Vermieterin eines der Betten. Es lohnt sich, bei ihr anzurufen (Tel. 003713449139). Wenn sie nicht gerade einen Bus nach Deutschland begleitet, vermittelt sie einen einzigartigen Eindruck dieser sehr alten und romantischen Stadt, die mit einer Ordensburg und unzähligen Gebäuden unter Denkmalschutz steht.
Alle Unterkünfte waren in Ordnung – im Endeffekt entstand aus einer Notlage ein interessantes Erlebnis! Inzwischen dürfte das einfache Hotel neben dem Restaurant wieder in Betrieb sein.
Von Aizpute ging es problemlos direkt nach Kuldiga (42 km), einem malerischen Städtchen mit alten Holzhäusern, einer langen Ziegelsteinbrücke, einer breiten Stromschnelle, einem freundlichen Touristenbüro und mehreren Hotels.
Nach Kuldiga beginnt das landschaftlich schönste Gebiet Kurlands, die „Kurländische Schweiz“. Nach 16,75 km liegt rechts der Straße etwas versteckt ein alter Waldfriedhof mit schönem Glockenturm. In Sabile besichtigten wir den nördlichsten Weinberg der Welt (Eintritt!). In der Nähe von Sabile (von der Hauptstraße rechts ab den Berg hoch) liegt das Schloß Pedvale. Seit 1992 ist dort das größte FreilichtKunstmuseum des Landes entstanden. Auf 100 ha Fläche sind ständig mehr als 150 Exponate entstanden. Vier von uns sind zwei Stunden lang durch die Kunst gewandert (es lohnt sich!), zwei haben sich auf der Wiese neben dem Restaurant ausgeruht. Wir fuhren weiter, obwohl es in Pedvale auch Übernachtungsmöglichkeiten gibt und kamen am Abend nach 70 km in Kandava an.
In Kandava war es wieder schwierig, ein Hotel zu finden, aber es gibt eins, ziemlich neu direkt unterhalb der ehemaligen Ordensburg.
Über Tukums ging es über Milzkalne auf fast autofreier Straße nach Klapkalnciems ans Meer, das man allerdings nur sieht, wenn man von der Hauptstrasse einige hundert Meter abbiegt. Wir haben eine schöne Pause bei herrlichem Sonnenschein am Strand gemacht, zwei von uns haben sich ins Wasser gestürzt. In Ragaciems (nach etwa 65 km) haben wir ein Motel (links an der Strasse, das rechts gelegene wirkte sehr seltsam) gefunden, noch Nachmittagswanderungen zu Fuß oder mit Rad ans Meer gemacht und im Motel zu Abend gegessen.
Dann kam nach einer Fahrt auf einer autoreichen Straße durch Jurmala – ein endloser Badeort mit einst und wohl bald wieder prächtigen Villen – und einer Irrfahrt (Beschilderungen genauer beachten!) durch den Wald zwischen Jurmala und Riga der Endpunkt unserer Reise: Riga (60 km). Riga war der unbestreitbare Höhepunkt der Tour, allerdings entspricht das prächtige Riga nicht dem (einfachen) Leben und touristischem Angebot im übrigen Lettland. Beides hat sich gelohnt, beides war hochinteressant, und überall wurden wir freundlich aufgenommen!
In Riga liegt der Fährhafen für die Schiffe nach Lübeck weit außerhalb im Norden (etwa 15 km von der Innenstadt). Wir haben Riga am Freitag, 4.6.2004, um 20 Uhr mit der MS Vilnius verlassen (181 Euro mit Rad pro Person in einer Zweibettkabine) und Lübeck am Sonntagmorgen um 6 Uhr erreicht. Die Vilnius ist eine kleinere Frachtfähre mit 120 Passagierplätzen ohne großen Komfort (z.B. keine Liegestühle auf dem Deck). Wir waren doch ganz froh, als die lange Fahrt auf diesem Schiff zu Ende ging!
Fünf von uns fuhren dann am Sonntag die längste Radetappe der ganzen Reise von Lübeck nach Kiel (90 km), ich nahm in Bad Schwartau den Zug und war am frühen Vormittag wieder zu Hause.
Insgesamt: die Tour ist empfehlenswert, auch für Leute, die sich auf dem Fahrrad nicht überanstrengen wollen. Ein Hauch von Abenteuer ist noch dabei, wohl nicht mehr lange! Von Riga abgesehen sind Hotels und Essen für unsere Verhältnisse sehr preiswert. Wann geht es los?